Als dieser Artikel 2020 zum ersten Mal erschien, war er ein Aufruf: Eine Petition forderte eine grundlegend neue Drogenpolitik in Deutschland – gerichtet an die damalige Drogenbeauftragte und den Gesundheitsminister. Sechs Jahre später lohnt ein ehrlicher Blick zurück und nach vorn: Einiges hat sich tatsächlich bewegt. Vieles allerdings nicht.
Inhaltsverzeichnis
Warum die Verbotspolitik gescheitert ist
Die Kritik von damals gilt im Kern bis heute: Eine Drogenpolitik, die vor allem auf Verbote und Strafverfolgung setzt, erreicht ihre eigenen Ziele nicht. Konsum verschwindet nicht durch Kriminalisierung – er wandert in den Schwarzmarkt, wo niemand Reinheit oder Dosierung kontrolliert. Wer Probleme mit Substanzen entwickelt, sucht sich aus Angst vor Strafe später oder gar keine Hilfe. Und Millionen Menschen, die niemandem schaden, werden zu Straftätern erklärt.
Das ist keine Außenseiterposition: Der Schildower Kreis, ein Netzwerk aus Strafrechtsprofessorinnen und -professoren, fordert seit Jahren ein Ende der Prohibition – mit im Kern denselben Argumenten.

2020: Eine Petition als Ausgangspunkt
Entstanden ist dieser Text rund um die Petition des drogenpolitischen Projekts mybrainmychoice, das sich bis heute für Entkriminalisierung stark macht. Ich habe die Petition damals mit einem Video-Statement unterstützt und ein Interview mit Initiatorin Philine Edbauer geführt. Meine Haltung hat sich seitdem nicht geändert: Ich halte eine Entkriminalisierung – und langfristig eine regulierte Legalisierung – für den ehrlicheren und sichereren Weg im Umgang mit Substanzen.
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Was sich seit 2021 verändert hat
Cannabis: teillegal seit April 2024
Die größte Bewegung gab es beim Cannabis: Mit dem Cannabisgesetz (CanG) sind seit April 2024 Besitz und Eigenanbau für Erwachsene in Grenzen legal – bis zu drei Pflanzen zu Hause, dazu Anbauvereinigungen. Ein regulierter Verkauf fehlt allerdings weiterhin, und politisch wird um Rücknahme oder Ausweitung gestritten. Ein Teilerfolg – mehr bislang nicht. Wie sich die Pflanze jenseits der Politik als bewusstseinserweiterndes Werkzeug nutzen lässt, liest du im Artikel über Cannabis als Psychedelikum.
LSD-Derivate: das Katz-und-Maus-Spiel
Bei den Psychedelika zeigt sich das Scheitern der Verbotslogik besonders deutlich: Seit Jahren bringen Hersteller legale LSD-Derivate auf den Markt, der Gesetzgeber verbietet sie über das Neue-psychoaktive-Stoffe-Gesetz – und kurz darauf erscheint das nächste Derivat. Aktuell (Stand Juli 2026) sind 1Fe-LSD und 1BP-LSD legal erhältlich beziehungsweise in einer Grauzone. Den ganzen Wettlauf zeichnet der Artikel über legale LSD-Derivate 2026 nach.
Psilocybin und die psychedelische Renaissance
Parallel hat die Forschung zu Psychedelika weltweit Fahrt aufgenommen: Studien zu Depression, Angst und Sucht, therapeutische Programme in Australien und mehreren US-Bundesstaaten, wachsendes öffentliches Interesse. Psilocybin bleibt in Deutschland illegal, doch die Debatte über medizinische Zulassung und Entkriminalisierung ist längst im Mainstream angekommen – mehr dazu im Artikel zur Legalisierung von Psilocybin.
Was eine neue Drogenpolitik leisten müsste
Aus meiner Sicht braucht eine ehrliche Drogenpolitik vier Dinge:
- Entkriminalisierung des Besitzes – niemand gehört für den Umgang mit dem eigenen Bewusstsein vor Gericht.
- Regulierung statt Schwarzmarkt – kontrollierte Qualität, Jugendschutz und Steuern statt organisierter Kriminalität.
- Aufklärung statt Abschreckung – ehrliche Informationen über Wirkungen und Risiken, wie sie dieser Blog versucht.
- Hilfe statt Strafe – Drug-Checking, Beratung und Therapie für alle, die sie brauchen.
Die Petition von damals hat ihr Ziel nicht direkt erreicht – aber sie war Teil einer Bewegung, die inzwischen erste Mauern zum Bröckeln gebracht hat. Bis zu einer wirklich neuen Drogenpolitik in Deutschland bleibt es ein langer Weg. Umso wichtiger, dass wir ihn weitergehen.
Stand: Juli 2026. Rechtslage-Angaben ohne Gewähr – Gesetze und Grauzonen können sich ändern.
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