Substanzen · Drogenpolitik
Es gibt Beziehungen, die sind kompliziert. Und dann gibt es die zwischen dem deutschen Gesetzgeber und den legalen LSD-Derivaten. Seit 2015 geht das ungefähr so: Ein Labor hängt ein neues Molekül-Anhängsel ans LSD, die Szene freut sich zwei Jahre über legales Acid, dann kommt eine Verordnung, das Derivat wandert auf die Verbotsliste – und drei Wochen später steht der Nachfolger im Shop. Katz und Maus, nur mit Ergolinen.
Ende 2025 hat es 1S-LSD erwischt. Seitdem heißen die Mäuse 1Fe-LSD und 1BP-LSD. Zeit für einen ehrlichen Blick: Was ist das, wie wirkt es, wie lange geht das noch gut – und was heißt das fürs Microdosing?
1Fe-LSD und 1BP-LSD sind Prodrugs: Der Körper spaltet das Anhängsel ab, übrig bleibt LSD. Viele in der Community spüren entsprechend keinen Unterschied, andere berichten von subtilen Abweichungen – die Theorie ist hier eindeutiger als die Erfahrungsberichte. Beide sind in Deutschland Stand Juli 2026 weder im BtMG noch eindeutig vom NpSG erfasst – eine Grauzone, kein Dauerzustand. Wer bestellt, sollte wissen: Das Fenster kann jederzeit zugehen. Keine Rechtsberatung, ohne Gewähr.
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Inhaltsverzeichnis
Die Chronik: fünf Derivate, fünf Verbote
Wer verstehen will, wo wir heute stehen, muss nur die Verbotsliste lesen. Sie liest sich wie ein Staffellauf:
| Derivat | Ära | In DE verboten seit |
|---|---|---|
| 1P-LSD | ca. 2015–2019 | Juli 2019 (NpSG-Novelle) |
| 1cP-LSD | 2019–2022 | Juni 2022 |
| 1V-LSD | 2021–2022 | Herbst 2022 |
| 1D-LSD | 2022–2024 | Sommer 2024 |
| 1S-LSD | 2024–2025 | 2. Dezember 2025 |
| 1Fe-LSD / 1BP-LSD | seit Ende 2025 | aktuell Grauzone (Stand Juli 2026) |
Das Muster ist stabil: Ein Derivat lebt im Schnitt zwei bis drei Jahre, die Abstände werden eher kürzer. Kein Grund zur Panik – aber ein sehr guter Grund, sich keine Vorräte für die nächste Dekade in den Schrank zu legen und die Rechtslage im Blick zu behalten.
Was sind 1Fe-LSD und 1BP-LSD eigentlich?
Beide funktionieren nach demselben Prinzip wie alle ihre verbotenen Geschwister: dem Prodrug-Prinzip. An der 1-Position des LSD-Moleküls hängt eine zusätzliche Gruppe – beim 1Fe-LSD eine Ferrocen-Gruppe mit einem Eisenatom im Zentrum, beim 1BP-LSD eine borhaltige Gruppe (warum genau das für Diskussionen sorgt, liest du weiter unten in der Kontroverse). Dieses Anhängsel macht das Molekül juristisch zu einer neuen Substanz. Dein Stoffwechsel interessiert sich für Juristerei allerdings herzlich wenig: Enzyme knipsen die Gruppe ab, und im Blut zirkuliert – LSD.
So weit die Theorie – und die spricht klar dafür, dass am Rezeptor LSD ankommt. Die Erfahrungsberichte sind allerdings gemischter, als Shops es gern erzählen: Viele merken schlicht keinen Unterschied zu klassischem LSD. Andere beschreiben subtile Abweichungen – einen sanfteren oder späteren Anflug (die Umwandlung braucht Zeit), ein anderes Körpergefühl, eine etwas andere Dauer oder einen schwer greifbaren anderen „Charakter“. Was davon Pharmakologie ist und was Dosis, Set und Erwartung, kann dir niemand sicher sagen – systematisch verglichen hat das bisher keiner.
Die 1Fe-Kontroverse: Wie sicher sind die neuen Derivate wirklich?
Kaum ein Thema wird in der Szene so hitzig diskutiert. Die eine Seite bestellt seit Jahren entspannt, die andere warnt vor dem großen Blindflug – und bei 1Fe-LSD ist die Debatte lauter als je zuvor in zehn Jahren Katz-und-Maus. Aus Gründen, die tiefer gehen als das übliche Grauzonen-Bauchgefühl.
Wer steckt hinter 1Fe-LSD?
Kurze Vorgeschichte: Ende Dezember 2024 schloss Lizard Labs – das Labor von Alexander Stratford, das die Szene seit 1P-LSD-Tagen belieferte. Bestände und Knowhow übernahm die Firma Lysentia in Maastricht; Dan Becker verbindet Lysentia mit dem Shop LSD Legal (Kofana GmbH). Vieles spricht dafür, dass 1Fe-LSD bereits vorproduziert in den Startlöchern stand, als 1S-LSD verboten wurde. Fürs Einordnen wichtig: Hier geht es um ein Millionengeschäft. Finanzielle Interessen gibt es auf allen Seiten – bei Herstellern und Shops genauso wie bei manchen Kritikern. Wer dir in dieser Debatte völlige Neutralität verspricht, verkauft dir meistens gerade etwas.
Die Elemente-Schlacht: Ferrocen und Bor
Der eigentliche Aufreger ist Chemie. Alle bisherigen Derivate von 1P bis 1S trugen vergleichsweise unspektakuläre Schutzgruppen aus Kohlenstoff, die als weitgehend inert gelten. 1Fe-LSD bricht mit dieser Tradition: An der 1-Position sitzt eine Ferrocen-Gruppe – ein Eisenatom, eingeklemmt zwischen zwei Kohlenstoffringen wie in einem Sandwich. 1BP-LSD wiederum enthält Bor. Zum ersten Mal stecken damit ein Metall bzw. Halbmetall im Molekül – und solche Gruppen sind potenziell reaktiver als ihre braven Kohlenstoff-Vorgänger.
Hypothetische Risiken – und was drei Experten sagen
Was daraus folgen könnte, ist Stand heute reine Theorie – das muss man klar sagen, in beide Richtungen. Diskutiert werden: Hydroxylradikale über die Fenton-Reaktion, mögliche DNA-Schäden bis hin zur Kanzerogenitäts-Frage, Eisenakkumulation im Gewebe, oxidativer Stress. Belege dafür existieren nicht – aber eben auch keine Entwarnung, denn es gibt schlicht null Studien zu 1Fe-LSD. Keine Tierdaten, keine Humandaten, nichts.
Drei unabhängige Experten kommen in der Doku zu einer bemerkenswert ähnlichen Einschätzung: Akute Einzeldosen sind wahrscheinlich unproblematisch. Völlig offen ist dagegen die Langzeitnutzung – und damit ausgerechnet das Microdosing. Häufige, wiederholte Einnahme ist genau das Szenario, über das am wenigsten bekannt ist: Sollte sich so etwas wie Eisenakkumulation je bewahrheiten, wäre der Microdoser stärker betroffen als der Gelegenheitsnutzer mit zwei Trips im Jahr.
Die ganze Recherche mit allen Experten-Interviews:
Review, Whistleblower und ein Labor ohne Namen
Lysentia hat ein eigenes Sicherheits-Review beauftragt – und genau das ist umstritten. Kritiker bemängeln, dass die sublinguale Einnahme den First-Pass-Effekt der Leber umgeht, dass die Halbwertszeiten der Abbauprodukte unbekannt sind und dass ein vom Verkäufer bezahltes Gutachten nun einmal interessengeleitet wirkt. Parallel kursiert die These eines anonymen Whistleblowers, 1Fe sei ein „trojanisches Pferd“ mit Neurodegenerations-Risiko. Die Experten sind hier gespalten: Für die einen hat die Argumentation Hand und Fuß, für die anderen ist sie nicht haltbar.
Bei 1BP-LSD ist die Lage womöglich noch unübersichtlicher: Das Herstellerlabor ist unbekannt, es gibt Reinheitsbedenken, und selbst innerhalb der Händlerszene fliegen die Fetzen – ein Shopbetreiber kritisiert den Anbieter ModernMind offen als dubios. Und wenn ein Händler zu alldem erklärt, es gebe „keine Sicherheitsbedenken. Keine.“ – dann ist das exakt die Sorte Absolutheit, die bei einem Molekül ohne einen einzigen Datenpunkt niemand seriös treffen kann. In keine Richtung.
Unterm Strich: So viel Unsicherheit wie jetzt gab es in der Derivate-Ära noch nie – und die Ursache ist bittere Ironie. Die Verbotspolitik ersetzt LSD-25, dessen körperliche Wirkung seit den 1940ern außergewöhnlich gut erforscht ist und das physiologisch als sicher gilt (die psychischen Risiken bleiben natürlich), Stück für Stück durch immer neue, unerforschte Moleküle. Wer 1Fe oder 1BP nutzt, tut das als Pionier ohne Datenlage – das kannst du bewusst entscheiden, aber du solltest wissen, dass du es tust. Fürs Microdosing mit seiner häufigen Einnahme gilt das doppelt. Abwesenheit von Beweisen ist kein Beweis für Sicherheit – ohne Panik, aber mit offenen Augen.
Wir versprechen dir hier nichts. 1Fe-LSD und 1BP-LSD sind aktuell weder im BtMG gelistet noch eindeutig vom NpSG erfasst – deshalb werden sie offen verkauft. Ob das NpSG im Zweifel doch greift, entscheiden am Ende Gerichte, nicht Onlineshops. Und die nächste Novelle kommt so sicher wie die nächste Bahnverspätung. Heißt: Der Status kann jederzeit kippen, auch rückwirkend auf deine Bestellung von letzter Woche hat niemand eine Garantie. Keine Rechtsberatung, alle Angaben ohne Gewähr.
Microdosing mit LSD-Derivaten
Fürs Microdosing sind die Derivate aus einem simplen Grund beliebt: Es gibt sie als exakt dosierte Blotter und vor allem als Tropfen. Der übliche Bereich liegt bei 5–15 µg – und auch hier gilt: von unten herantasten, knapp unter der Wahrnehmungsschwelle bleiben. Am präzisesten arbeitest du volumetrisch, also mit verdünnten Tropfen, statt Blotter mit der Nagelschere zu vierteln (ja, das machen Leute; nein, das ist keine Messmethode).
Den kompletten Einsteiger-Fahrplan – Intention, Protokolle, Tagebuch – findest du in unserer Microdosing-Anleitung in 6 Schritten und vertieft im Microdosing Kurs. Einen breiteren Überblick gibt die Microdosing-Übersicht.

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Die Tryptamin-Alternative: 4-Pro-MET
Wem das Katz-und-Maus-Spiel der Ergoline zu nervig ist oder wer eher den Pilz-Charakter sucht, findet mit 4-Pro-MET eine spannende Alternative aus der Psilocybin-Familie: hell, klar, als Pellet exakt vordosiert – und aktuell ebenfalls in der Grauzone. Alles Wichtige dazu steht in unserem 4-Pro-MET-Microdosing-Guide.
Kaufe nur bei seriösen Quellen, die Analysezertifikate (CoA) veröffentlichen – der Markt für Forschungschemikalien lebt vom Vertrauen, und nicht jeder Shop verdient es. Wenn du die Möglichkeit hast, nutze Drug-Checking-Angebote wie drugchecking.berlin, checkit! in Wien oder das DIZ in Zürich.
Kontraindiziert bleibt das Ganze bei Psychose oder Schizophrenie (auch familiär), bipolarer Störung, in Schwangerschaft und Stillzeit sowie unter Lithium. Bei SSRI und anderen serotonergen Medikamenten: ärztlich abklären, gründlich recherchieren – und dann selbst entscheiden. In der Experimentierphase lass Auto und Maschinen stehen.
FAQ: Legale LSD-Derivate 2026
Ist 1Fe-LSD bzw. 1BP-LSD wirklich legal?
Sie sind Stand Juli 2026 nicht im BtMG gelistet und werden offen verkauft – ob das NpSG greift, ist juristisch nicht abschließend geklärt. Grauzone eben. Verbindlich kann dir das nur ein Anwalt sagen, nicht dieser Artikel.
Wie lange bleiben sie verfügbar?
Die ehrliche Antwort: niemand weiß es. Die bisherigen Derivate hielten sich je zwei bis drei Jahre, die Behörden werden schneller. Plane so, als könnte das Fenster morgen zugehen.
Wirken sie anders als echtes LSD?
Die Prodrug-Theorie sagt nein – im Körper kommt LSD an, und viele merken tatsächlich keinen Unterschied. Die Community ist aber gespalten: Andere beschreiben subtile Unterschiede bei Anflug, Körpergefühl, Dauer oder Charakter. Systematisch verglichen hat das bisher niemand – unterm Strich: sehr ähnlich, aber nicht garantiert identisch.
Sind die Derivate nachweisbar – Stichwort Führerschein/MPU?
Im Körper wird daraus LSD, und das ist bei gezielter Analyse nachweisbar – in Standard-Schnelltests taucht es zwar selten auf, verlassen solltest du dich darauf nicht. Und ganz unabhängig vom Test: Fahren unter Wirkung ist keine Grauzone, sondern eine richtig schlechte Idee, rechtlich wie praktisch.
Weiterführende Informationen
Transparenz: Dieser Artikel ist journalistische Einordnung und keine Rechtsberatung. Rechtslage Stand Juli 2026, alle Angaben ohne Gewähr.
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